Fragen an unsere Professoren

 

Sie studieren Informatik und sind neugierig auf die Möglichkeiten in der Goethe-Universität? Oder sind einfach interessiert an den Laufbahnen unserer Professoren und Ihren Ratschlägen? Wir haben ein paar unserer Professoren befragt und Ihnen die beliebtesten Antworten zur Verfügung gestellt.

 

Was haben Sie studiert und warum?

 

Prof. Hedrich: Elektrotechnik. Es war ein gute Mischung aus Physik und Informatik, für das ich mich beides in der Schule interessiert habe.

Prof. Lindenstruth: Physik Diplom, Festkörperphysik und Promotion Schwerionenphysik. Das Physik Studium vermittelt ein sehr breites und fundiertes Wissen der Naturwissenschaften.

Prof. Schmidt-Schauß: Diplom Mathematik in Mainz; Weil es mich sehr interessiert hat, und weil ich verstanden hab worum es geht

Prof. Chiarcos: Informatik (Diplom). Von meinen Interessen her war ich zwischen Ur- und Frühgeschichte auf der einen und Informatik auf der anderen Seite hin- und her-gerissen ... und habe letztlich eine pragmatische Entscheidung getroffen. Allgemeine Sprachwissenschaft (Magister Artium). In der Informatik habe ich rasch bemerkt, wie naheliegend Querbezüge zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen sind. An der Schnittstelle zur Linguistik habe ich seinerzeit die besten Entwicklungsmöglichkeiten für mich gesehen, denn Digital Humanities als mein eigentliches Interessengebiet konnte man damals noch nicht studieren. Also ein Doppelstudium. Beides zusammen macht mich noch nicht automatisch zu einem Computerlinguisten. Das wurde ich eigentlich erst durch meine Promotion an einem Lehrstuhl für Angewandte Computerlinguistik. Die Dinge, die mich damals interessiert haben, hatten nicht mehr so viel mit Geschichte zu tun, eher mit Kognitionswissenschaft, erst der Ruf nach Frankfurt hat mir letztlich ermöglicht, mich stärker im Bereich Digital Humanities zu engagieren.

Prof. Triesch: Physik, weil ich immer schon verstehen wollte, wie die Welt um uns herum funktioniert. Mit Computern habe ich mich aber auch schon seit meiner Kindheit beschäftigt.

Prof. Reichenbach: Informatik.

 

Seit wann lehren Sie in Frankfurt und wie kam es zur Wahl der Goethe-Universität?

 

Prof. Chiarcos: Der Lehrstuhl „Angewandte Computerlinguistik“ besteht seit Januar 2013, ich lehre hier seit dem SoSe 2013. Wissenschaftlich ausschlaggebend für die Goethe-Universität war, dass hier, insbesondere am Fachbereich 9, eine große Tradition im Bereich Digital Humanities besteht. Das TITUS-Projekt, in dessen Rahmen seit mehr als 25 Jahren Materialien zu (v.a.) den indoeuropäischen Sprachen gesammelt und digital verfügbar gemacht werden, mag an dieser Stelle stellvertretend dafür stehen. Aus diesem Rahmen heraus wurde in Kooperation zwischen den Fachbereichen 9 und 12 sowie mit der TU Darmstadt und dem Goethe-Haus der LOEWE-Schwerpunkt „Digital Humanities“ (2011-2014) eingerichtet, und aus diesem Zusammenhang mein Lehrstuhl geschaffen. Es mag seltsam erscheinen, wenn ich als Mitglied des Fachbereichs 12 die Arbeit des Fachbereiches 9 hervorhebe, aber meine Disziplin, die Computerlinguistik, ist eine Schnittstellendisziplin der Informatik zu den Geisteswissenschaften, so dass für mich nur Standorte mit hinreichendem Profil in beiden Bereichen in Frage kommen.

Prof. Hedrich: Seit 2004. Frankfurt als Stadt und die Ausschreibung in Richtung EDA / Hardware haben gepasst.

Prof. Triesch: Seit 2005. Ich war vorher in San Diego und bin dann an das neugegründete Frankfurt Institute for Advanced Studies gegangen, weil ich das interdisziplinäre Konzept des Instituts mit seinem Schwerpunkt auf komplexen Systemen spannend fand.

Prof. Lindenstruth: Ich bin seit Oktober 2009 an der Goete-Universität. Die Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich des Hochleistungsrechnens und das Frankfurt Institute for Advanced Studies FIAS waren und sind sehr attraktiv.

Prof. Reichenbach: Ich lehre seit dem Sommersemester 2013.

Prof. Schmidt-Schauß: 1992, Bewerbung; und da es nah zu meinem Wohnort war.

 

Woran forschen Sie gerade?

 

Prof. Chiarcos: Mein eigentliches Gebiet ist die Maschinelle Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP), in der es um jedwede Form der automatischen Analyse (z.B. Text Analytics), Manipulation (z.B. Übersetzung) oder Generierung natürlicher Sprache (z.B. in Dialogsystemen) geht. In diesem Rahmen setze ich zwei überlappende Schwerpunkte, semantische Technologien und Digital Humanities. Semantische Technologien beinhalten (a) die automatische Analyse von Bedeutungsstrukturen in natürlicher Sprache, sowie (b) Formalismen zur Wissensrepräsentation. Wird beides zusammengeführt, verwendet man manchmal die Bezeichnung „Machine Reading“ dafür, quasi den Versuch, den Computer in die Lage zu versetzen, sich selbständig Wissen anzueignen, indem er große Mengen von Textdaten verarbeitet und darüber generalisiert.
Digital Humanities beschäftigt sich mit der Entwicklung informationstechnologischer Lösungen für die Geistes- und Sozialwissenschaften, bei mir derzeit v.a. Sprach- und Kulturwissenschaften, Archäologie und Bibliothekswissenschaft. Digital Humanities sind dabei bei weitem mehr als ein Anwendungsfeld semantischer (und anderer NLP-) Technologien, denn letztlich geht es hier darum, gemeinsam mit den Kollegen neuartige Arbeitsmethoden zu entwickeln, zu kommunizieren und zu etablieren.
Ich versuche in meiner Arbeit, Fragestellungen so zu entwickeln, dass all diese Aspekte gleichmäßig Berücksichtigung finden, derzeit etwa bei der Parallelisierung und der automatischen Analyse historischer Bibeln oder in der Entwicklung einer Semantic-Web-basierten Textmining-Pipeline für wissenschaftliche Publikationen. Andererseits bin ich natürlich nicht auf Anwendungen in den Geisteswissenschaften festgelegt. Wo sich interessante Fragestellungen aus der Industrie oder Bereiche wie Wirtschaftsinformatik oder Datenbanktechnologien finden, für die unser Technologie-Stack fruchtbar eingesetzt werden kann, finden diese natürlich angemessen Berücksichtigung.

Prof. Hedrich: Wir wollen cyber-phyiskalische Systeme (z.B. Roboter-Systeme, analoge Signalverarbeitung, Sensorik, Aktorik) sicherer machen und deren Entwurf vereinfachen.

Prof. Triesch: Das ist ein breites Spektrum von Themen. Das Meiste dreht sich natürlich um das Gehirn, um neuronale Netzwerke, ums Sehen und ums Lernen. Wir arbeiten eng mit Neurowissenschaftlern und Psychologen zusammen, haben aber z.B. auch Projekte im Bereich der Robotik.

Prof. Lindenstruth: An der Entwicklung effizientester und leistungsfähigster Supercomputer und an Algorithmen, die diese Rechner besonders gut nutzen.

Prof. Reichenbach: Programmiersprachenerweiterungen für automatische Parallelisierung (PQL); Automatische Programm-Migration zwischen Schnittstellen (u.a. auch im Rahmen von HIC 4 Fair); Automatische Transformation von Programmcode unter Beibehaltung des Programmverhaltens; Automatisierte Wahl von und Anpassung an Datentypen bei wechselnden Programmanforderungen (u.a. auch in Zusammenhang mit HIC 4 Fair); Dynamisch-Symbolische Ausführung von Java-Bytecode zur Erfassung von Semantik und Suche nach Programmierfehlern (DySy).

Prof. Schmidt-Schauß: Unifikation, Programmtransformation in funktionalen Programmen; Korrektheit von Verteilten Programmen; Logik von über funktionalen Ausdrücken, Deduktionsalgorithmen.

 

Welche Veranstaltungen bieten Sie im Bachelor/Master Informatik an, was kann man bei Ihnen lernen und was ist besonders interessant ?

 

Prof. Schmidt-Schauß: PRG2, KI, Deduktion, Transformationen von funktionalen Programmen, Spannend: Anwendungen auf Korrektheit von verteilten Programmen.

Prof. Triesch: Unsere Forschung beschäftigt sich viel mit der Informationsverarbeitung im Gehirn, mit Lernprozessen und mit komplexen Systemen allgemein. In diesen Bereichen bieten wir verschiedene Vorlesungen an. Die eignen sich gut, um mal in unser Gebiet „reinzuschnuppern“.

Prof. Lindenstruth: Verschiedene Vorlesungen und Praktika um (Hochleistungs) Rechner Architektur und effiziente Programmierung.

Prof. Hedrich: Neben der Grundveranstaltung HWR können sie von der Electronic-Desgin Automation, also dem Automatisieren des Entwurfs von mikroelektronischen Schaltungen über Heterogene Systeme bis hin zu deren Verifikation eine Mischung aus dem Hardwarenahen Informatikspektrum hören. Wir bieten dazu auch ein Praktikum an sowie die freiwillige, selbsorganisierte Mitarbeit im JRL (Joint-Robotics Lab), welches mit NAOs an Fussballwettbewerben teilnimmt.

Prof. Reichenbach: Zur Zeit nur eine regelmäßige Veranstaltung:- B-SYSP: Einführung in die Systemprogrammierung (jedes SS), hier beantworten wir Fragen wie: Was passiert im Rechner, wenn ich ein Programm starte? Was ist der Sinn des Übersetzers? Wie teilen sich verschiedene Programme und das Betriebssytem den Rechner? Wie kann ich meine Programme schneller machen?

Unregelmäßig: Bachelor: B-BKSPP-PR: Praktikum: Systemprogrammierung; Master: M-SWE-PR: Praktikum: Software-Engineering, M-ATSWT-S: Seminar: Aktuelle Themen der Software-Technologie, M-PS: Konzepte der Programmiersprachen. Hier beantworten wir Fragen wie: Welche Elemente haben gängige Programmiersprachen? Was ist nötig, um diese Programmiersprachen auf dem Computer laufen zu lassen? Was können wir mit Hilfe von Programmanalysen über Programme lernen, und wie wird diese Fähigkeit durch das Design von Programmiersprachen beeinflußt? Wie funktionieren Software-Werkzeuge?

Geplant sind weitere Veranstaltungen zum Thema Software-Engineering.

 

Wie können sich Studierende in Ihre Forschung einbringen, bzw. in welchen Themengebieten bieten Sie Abschlussarbeiten an?


Prof. Hedrich: Durch Hiwi-Tätigkeiten, z.B. in einem der Drittmittelprojekte, die wir mit anderen Unis oder Firmen durchführen oder durch ein Forschungsprojekt sowie durch die Abschlussarbeiten. Die Themen sind aus dem Bereich Cyber-physikalische, heterogene Systeme und formale Verifikation, Synthese, Simulation von solchen Systemen.

Prof. Triesch: Prinzipiell bieten wir in all unseren Forschungsbereichen auch Abschlussarbeiten an. Das richtige Thema hängt oft von den Neigungen und Fähigkeiten ab. Meist stellen wir dem jeweiligen Studierenden einen Doktoranden oder Post-doc zur Seite, der sie oder ihn bei der Einarbeitung in das Thema und bei der Durchführung unterstützt. Nicht selten können die Ergebnisse dadurch sogar publiziert werden.

Prof. Lindenstruth: Wir integrieren Arbeiten immer in laufende Projekte und passen uns auch den Interessen der Studierenden an. Die Arbeiten reichen von FPGA Entwicklung, Software Entwicklung, bzw. Algorithmus Entwicklung bis hin zum Bau von Supercomputern.

Prof. Schmidt-Schauß: Unifikation, zB fehlertolerante, Kompression, auch von Matrizen

Prof. Reichenbach: Jeder hat andere Vorstellungen davon, was interessant oder spannend ist. Was mich fasziniert, ist, Quellcode automatisch zu untersuchen und zu bearbeiten, komplexe Anforderungen mit möglichst wenig menschlicher Arbeit umzusetzen, und menschliche Kontrolle über Computersysteme zu erhöhen.

 

Was sind Ihre Tipps für ein erfolgreiches Studium?

 

Prof. Triesch: Nicht beim Anhäufen von Detailwissen den Blick für das große Ganze verlieren!

Prof. Hedrich: Sucht Euch eine Kleingruppe, mit der Ihr Spass habe könnt, aber auch gemeinsam Lernen könnt. Ausserdem hilft es sehr das Interesse mit dem Studium zu verbinden z.B. durch Mitarbeit in der Fachschaft oder im JRL.

Prof. Reichenbach: Unterschiedliche Studierende lernen unterschiedlich-- lesen, zuhören, ausprobieren usw. Finden Sie heraus, welche Strategie für Sie am Besten funktioniert. Sie haben als Studenten voraussichtlich mehr Zeit, zu experimentieren, als Sie es später haben werden, und Sie verstehen die Welt und sich selbst besser, als Sie es früher taten -- nutzen Sie das.
Für die meisten Menschen gibt es keine besseren Lehrer als selbstgemachte Fehler. Leider müssen wir Ihnen für Fehler in den Prüfungen aber Punkte abziehen. Machen Sie Ihre Fehler daher bitte möglichst alle schon vor den Prüfungen: Das ist der Grund, aus dem wir Übungen anbieten.

Prof. Schmidt-Schauß: Es ernsthaft angehen, mit Interesse und auch Zeit investieren. Auch die Theorie ernsthaft verstehen wollen und die Beziehung zu Anwendungen ergründen.

Prof. Lindenstruth: Etwas zu Ende bringen, sich voll einbringen, aktiv mitarbeiten.


Gibt es etwas, was Sie den Lesern noch mitteilen möchten?


Prof. Triesch: Informatik ist eine Disziplin, die auch in den nächsten Jahrzehnten unser Leben tiefgreifend verändern wird! Es ist spannend, diese Entwicklung mitzugestalten!

Prof. Lindenstruth: Keine Scheu, einfach mal vorbei schauen, in eine Vorlesung gehen und Atmosphäre schnuppern.


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